Was ist die Anwartschaft in der privaten Krankenversicherung?

    Es kommt häufiger vor, dass eine PKV längere Zeit unterbrochen werden muss und erst später wieder aufgenommen werden kann oder überhaupt erst in Zukunft ein Anlass zum PKV-Abschluss besteht. Um sich in diesen Fällen den (Wieder-)Eintritt zu den Bedingungen von heute zu sichern, gibt es die Anwartschaftsversicherung.

    Option auf einen günstigen Wiedereintritt

    Was ist der Hintergrund? Wenn ein PKV-Verhältnis aufgegeben wird, geschieht das normalerweise über eine Kündigung des Vertrags. Das Versicherungsverhältnis endet mit dem Wirksamwerden der Kündigung. Wenn später wieder eine PKV vereinbart werden soll, ist ein erneuter Vertragsabschluss erforderlich, der zu den dann geltenden Bedingungen erfolgen muss. Für Versicherungsnehmer ist das in der Regel mit vielen Nachteilen verbunden:
     

    • beim Neueintritt ist eine erneute Gesundheitsprüfung erforderlich;
    • wegen des höheren Eintrittsalters und des vielfach größeren Gesundheitsrisikos werden die Beiträge teurer, im Extremfall droht sogar die Ablehnung durch den Versicherer;
    • schon gebildete Altersrückstellungen gehen mit der Kündigung verloren;
    • beim Neueintritt sind Wartezeiten zu beachten, der Versicherungsschutz greift daher erst nach deren Ablauf, obwohl schon Beiträge zu leisten sind.
       

    Mit einer Anwartschaftsversicherung lassen sich diese Nachteile vermeiden. Mit ihr erwirbt man das Recht, einen bestimmten PKV-Tarif bei einem Anbieter zu Konditionen abzuschließen, die heute bereits festgelegt werden. Es handelt sich de facto um eine Art Option. Der Versicherungsnehmer kann später sein Recht aus der Anwartschaftsversicherung ausüben, muss es aber nicht. Mehr als dieses Recht gewählt die Anwartschaftsversicherung nicht. Aus ihr lassen sich insbesondere keine Ansprüche auf Versicherungsleistungen ableiten. Die bietet nur die eigentliche PKV-Vereinbarung.
     

    Wann eine Anwartschaft in Betracht kommt

    Für Unterbrechungen der PKV gibt es viele Anlässe. Sie sind vor allem dann gegeben, wenn wieder eine Versicherungspflicht in der GKV eintritt und von den zum Teil bestehenden Befreiungsmöglichkeiten kein Gebrauch gemacht wird. Die Rückkehr in die GKV erfolgt zum Beispiel

    • bei Arbeitsplatzwechseln oder Arbeitszeitreduzierungen, durch die das Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze sinkt;
    • wenn die Versicherungspflichtgrenze turnusmäßig angehoben wird und das Einkommen dadurch jetzt darunter liegt;
    • bei Arbeitslosigkeit;
    • wenn Selbständige zeitweise in ein versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis wechseln;
    • bei Studenten in der studentischen Krankenversicherung (bis zum 14. Fachsemester bzw. zum 30. Lebensjahr);
    • bei Aufgabe der Erwerbstätigkeit und Mitversicherung beim GKV-pflichtigen Ehepartner im Rahmen der Familienversicherung
       

    Ein weiterer Anlass für PKV-Unterbrechungen sind längere Auslandsaufenthalte - insbesondere außerhalb Europas -, für deren Dauer in der Regel ein gesonderter Auslandskrankenschutz vereinbart wird. Die Anwartschaftsversicherung greift in all diesen Konstellationen, sobald sich die Voraussetzungen für den aktuellen Krankenversicherungsstatus durch die jeweiligen Lebens- und Arbeitsverhältnisse erneut ändern und die PKV wieder aufgenommen werden soll.

    Anwartschaftsversicherungen bieten auch eine Lösung für Beschäftigte im öffentlichen Dienst, die die Heilfürsorge ihres Dienstherrn in Anspruch nehmen. Betroffen sind in erster Linie Polizeibeamte, Justizvollzugsbeamte, Bundeswehrangehörige und Berufsfeuerwehrleute. Im Rahmen der Heilfürsorge übernimmt der Staat für sie die Krankheitskosten zu hundert Prozent, so dass während des aktiven Dienstes keine Krankenversicherung erforderlich ist. Das ändert sich aber mit dem Ruhestand. Dann endet die Heilfürsorge und die Beihilfe tritt ein, üblicherweise bei Pensionären zu 70 Prozent. Für den nicht durch die Beihilfe getragenen Kostenanteil ist in diesem Fall eine PKV abzuschließen. Um sich für den späteren Versicherungseintritt bereits heute gute Konditionen zu sichern, kann und sollte die Anwartschaftsversicherung genutzt werden.
     

    Anwartschaftsversicherung - kleine und große Lösungen

    Es gibt verschiedene Formen der Anwartschaftsversicherung:

    • die Ruhens- oder Überbrückungsvereinbarung. Die Ruhensversicherung ist auf vorübergehende Zeiten von Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Notlagen ausgerichtet. Dann ruht die Versicherung und wird beitragsfrei gestellt. Beim Ende der Ruhenszeit wird der ursprüngliche PKV-Vertrag zu identischen Bedingungen fortgesetzt. Der Versicherungsnehmer wird dabei so behandelt als ob das Vertragsverhältnis unverändert weitergelaufen wäre.

      Die Ruhensversicherung ist als echte Überbrückung konzipiert und daher zeitlich befristet. Bei Arbeitslosigkeit liegen die maximal möglichen Ruhenszeiten je nach Anbieter zwischen 6 und 36 Monaten, bei wirtschaftlichen Notlagen betragen sie nicht länger als 6 Monate. Wenn die Arbeitslosigkeit oder die wirtschaftliche Notlage darüber hinaus andauert, kann immer noch eine „klassische“ Anwartschaftsversicherung abgeschlossen werden, um sich die spätere PKV-Option offenzuhalten.
       
    • die „kleine“ Anwartschaftsversicherung. Bei dieser Versicherungsform sichert sich der Kunde die Rückkehr in den ursprünglichen Tarif ohne eine erneute Gesundheitsprüfung. Der Versicherer darf daher keine Risikozuschläge wegen zwischenzeitlich eingetretener zusätzlicher Gesundheitsrisiken erheben und die Versicherung nicht ablehnen. Auch erneute Wartezeiten fallen nicht an. Bei der Rückkehr wird allerdings für das Beitragshöge das höhere (Wieder-)Eintrittsalter zugrunde gelegt, während der Dauer der Anwartschaftsversicherung finden nämlich keine Zuführungen zu den Altersrückstellungen statt. Die Beiträge zur kleinen Anwartschaftsversicherung fallen dadurch recht niedrig aus, dieser Kostenvorteil heute wird allerdings mit höheren Beiträgen in der Zukunft erkauft.
       
    • die „große“ Anwartschaftsversicherung. Hier findet ebenfalls keine weitere Gesundheitsprüfung statt und Wartezeiten entfallen. Außerdem gilt hier bei der Rückkehr in den alten PKV-Tarif das ursprüngliche Eintrittsalter. Die Beiträge zur großen Anwartschaftsversicherung enthalten daher auch einen Sparbeitrag zu den Altersrückstellungen und sind dadurch deutlich höher als in der kleinen Variante. Dafür spart man bei der Rückkehr in die PKV bei den Beiträgen nachhaltig.
       

    Beim Abschluss auch Folgetarife berücksichtigen

    Die Beiträge zur Anwartschaftsversicherung werden üblicherweise als Prozentsatz vom „herkömmlichen“ PKV-Beitrag erhoben. Dabei kommt es natürlich auf die Kalkulation des jeweiligen Anbieters an. Bei großen Anwartschaftsversicherungen sind Sätze bis zu 25 Prozent möglich, bei kleinen bewegen sie sich in der Größenordnung von drei bis sechs Prozent – machen also nur einen Bruchteil aus. Dennoch summieren sich die Beträge auch hier bei längeren Anwartschaftszeiten.

    Aus diesem Grunde sollte der Abschluss einer Anwartschaftsversicherung immer gut überlegt sein. Da die Kosten - insbesondere bei der großen Anwartschaftsversicherung - beträchtlich sind und ggf. zusätzlich zu einer bestehenden Krankenversicherung zu zahlen sind, kommt der Abschluss nur dann in Betracht, wenn der spätere (Wieder-)Eintritt in einen bestimmten Tarif bei einem bestimmten Versicherer mit hoher Wahrscheinlichkeit stattfindet. Das kann zum Beispiel bei Beamten mit Heilfürsorge gegeben sein.

    Umso wichtiger ist es, sich im Zusammenhang mit der Anwartschaftsversicherung auch mit dem jeweiligen Folgetarif zu beschäftigen. Denn die Versicherung ist nur dann „ihr Geld wert“, wenn auch die anschließende PKV ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet. Mit unserem unabhängigen und kostenlosen Versicherungsvergleich haben Sie dafür ein einfach nutzbares Instrument an der Hand, um die für Sie in Frage kommende PKV-Tarife bequem ermitteln zu lassen.
     

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